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Rocco Reitz: Das Porträt eines Gladbacher Eigengewächses auf neuen Wegen

rocco reitz

Nur wenige Spieler verkörpern die Verbindung zwischen einem Verein und seiner Nachwuchsarbeit so sehr wie Rocco Reitz. Über anderthalb Jahrzehnte war der Mittelfeldspieler untrennbar mit Borussia Mönchengladbach verbunden, ehe ein aufsehenerregender Wechsel seine Karriere in eine neue Richtung lenkte. Zwischen sportlichem Aufstieg, familiären Wurzeln, einem prominenten Schwiegervater und heftigen Emotionen auf den Rängen erzählt seine Geschichte weit mehr als nur die eines talentierten Fußballers. Dieses Porträt zeichnet den bisherigen Weg des 24-Jährigen nach und beleuchtet die wichtigsten Stationen, Menschen und Ereignisse hinter dem Namen Rocco Reitz.

Herkunft und familiäre Wurzeln

Rocco Reitz stammt aus dem Ruhrgebiet. Geboren wurde er am 29. Mai 2002 in Duisburg, er misst rund 1,76 Meter und spielt im defensiven Mittelfeld. Die Liebe zum Fußball war ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt, denn seine Familie fieberte seit jeher mit den Fohlen mit. Bereits seit seiner Geburt ist Rocco dank seines Patenonkels Mitglied bei Borussia Mönchengladbach, dem Herzensklub der Familie. Den entscheidenden Anstoß gaben schließlich seine Eltern: Als er acht Jahre alt war, schenkten sie ihm die Teilnahme am Fohlen-Camp im Borussia-Park, womit seine fußballerische Reise begann.

Die Familie spielt bis heute eine zentrale Rolle in seinem Leben. Reitz beschreibt sich selbst als Familienmenschen und sucht in wichtigen Momenten den Rat der ihm nächsten Menschen. Dazu zählt neben seinen Eltern vor allem sein jüngerer Bruder Tony, der ebenfalls den Weg zum Fußball einschlug. Tony Reitz kehrte in die Gladbacher Jugend zurück und lief unter anderem in der U17-Bundesliga-West auf. Damit tritt der jüngere Bruder in die Fußstapfen des älteren, der es bereits in den Profibereich geschafft hatte.

Der Weg durch die Jugend zu den Profis

Rocco Reitz ist ein Kind des Vereins im wahrsten Sinne des Wortes. Als Siebenjähriger schloss er sich Borussia Mönchengladbach an und durchlief sämtliche Nachwuchsteams bis hin zur zweiten Mannschaft. Sein großer Moment kam früh: Am 24. Oktober 2020 gab er sein Bundesliga-Debüt im Auswärtsspiel bei Mainz 05, das mit 3:2 gewonnen wurde.

Um Spielpraxis zu sammeln, ging Reitz anschließend ins Ausland. Im August 2021 wurde er an den belgischen Erstligisten Sint-Truiden verliehen und kehrte im Januar 2023 für eine zweite Leihe dorthin zurück. Diese Erfahrungen ließen ihn reifen, und nach seiner Rückkehr belohnte er sich mit einem persönlichen Meilenstein. Am 10. November 2023 erzielte er beim 4:0 gegen den VfL Wolfsburg sein erstes Bundesliga-Tor.

Der Durchbruch und die Rolle als Kapitän

Nach den Lehrjahren folgte der endgültige Durchbruch. In der Saison 2023/24 stand Reitz in allen 34 Bundesliga-Partien auf dem Platz und war an sechs Toren sowie drei Vorlagen beteiligt. Damit entwickelte er sich zu einem der prägenden Spieler seiner Mannschaft und übernahm schließlich Verantwortung. Über weite Strecken der Saison 2025/26 führte er seinen Jugendklub als Kapitän aufs Feld.

Seine Bilanz für die Borussia kann sich sehen lassen und unterstreicht seine Bedeutung. Insgesamt kommt er auf 103 Profieinsätze und 95 Bundesligaspiele für die Fohlen sowie acht Tore. Wie wichtig er auch in schwierigen Zeiten war, zeigte sich zum Saisonende: In der Spielzeit 2025/26 bereitete er vier Treffer vor, darunter das Tor zum 1:0-Sieg gegen den BVB, das den Klassenerhalt sicherte. Charakteristisch für seinen Stil ist dabei ein enormes Laufpensum. Mit einem Topspeed von rund 35,63 km/h zählt er zu den schnellsten Spielern der Liga.

In der Nationalmannschaft

Parallel zu seiner Vereinskarriere durchlief Reitz die Nachwuchsnationalmannschaften des DFB. Er spielte 2017 für die deutsche U16 und lief von 2023 bis 2025 für die U21 auf. In dieser Zeit erlebte er auch seinen größten Erfolg im Nationaltrikot. Mit der DFB-Auswahl gewann er den Vize-Europameistertitel.

Dem Sprung in die A-Nationalmannschaft kam er ebenfalls nahe, ohne ihn bislang endgültig zu schaffen. Im Mai 2024 trainierte er vor der Europameisterschaft 2024 mit der A-Nationalmannschaft, wurde für das Turnier aber nicht nominiert. Sein A-Länderspiel-Debüt steht damit noch aus, doch ein starkes Jahr auf Vereinsebene könnte ihn erneut ins Blickfeld der Verantwortlichen rücken.

Der Wechsel zu RB Leipzig

Über Monate war die Zukunft von Rocco Reitz eines der bestimmenden Themen im deutschen Fußball. Schon früh interessierten sich zahlreiche Klubs für den Mittelfeldspieler. Aus England wurde konkretes Interesse des FC Fulham gemeldet, während spanische Portale von einem möglichen Angebot von Manchester United über rund 40 Millionen Euro berichteten, wobei auch Borussia Dortmund und RB Leipzig als Interessenten galten. Auch aus der Türkei gab es Signale: Türkischen Medien zufolge zeigte Fenerbahçe Istanbul unter Trainer Domenico Tedesco großes Interesse.

Am Ende fiel die Entscheidung für einen Bundesliga-Konkurrenten. Am 16. März 2026 einigte sich Reitz auf einen Wechsel zu RB Leipzig für die Saison 2026/27 und unterschrieb einen Vertrag bis 2031. Die finanziellen Details unterstrichen die Bedeutung des Transfers. Berichten zufolge erhält Borussia rund 20 Millionen Euro Ablöse zuzüglich möglicher Boni von etwa drei Millionen Euro. Für den Verein vom Niederrhein war das ein wirtschaftlicher Erfolg, denn es handelte sich um die höchste Summe, die Borussia je für einen selbst ausgebildeten Spieler erzielen konnte. In Leipzig ist Reitz als Nachfolger für den scheidenden Xaver Schlager eingeplant.

Rote Karte und Gegenwund auf den Rängen

Sportlich verlief die Rückrunde nicht ohne Rückschläge. Beim 1:4 beim FC Bayern brachte Reitz Stürmer Nicolas Jackson im Strafraum zu Fall und sah dafür wegen einer Notbremse die Rote Karte, woraufhin das DFB-Sportgericht eine Sperre von einem Spiel aussprach. Trainer Eugen Polanski verteidigte seinen Spieler und empfand den Platzverweis als zu hart. Durch die Sperre fehlte Reitz im Heimspiel gegen St. Pauli, kehrte aber im Derby beim 1. FC Köln zurück.

Deutlich stärker belastete ihn jedoch die Reaktion eines Teils der eigenen Anhängerschaft auf seinen Wechsel. Vor dem Auswärtsspiel in Leipzig entrollten Gladbach-Fans ein Spruchband, das ihm das Recht absprach, weiter Kapitän zu sein. Ausgerechnet in dieser Partie trug er die Binde, weil er den verletzten Tim Kleindienst vertrat. Polanski stellte sich klar hinter ihn und betonte, Reitz sei kein Leipziger, sondern nach wie vor ein Gladbacher Junge.

Der bittere Abschied von Gladbach

Statt eines würdigen Abschieds vor eigenem Publikum endete Reitz’ Zeit bei der Borussia auf denkbar unglückliche Weise. Wegen eines schweren Infekts befand er sich zum letzten Spieltag in stationärer Krankenhausbehandlung und verpasste die Partie gegen die TSG Hoffenheim. Damit platzte der geplante Moment der Verabschiedung im vollen Borussia-Park. Sein letztes Bundesliga-Spiel im Trikot der Fohlen war so die 1:3-Niederlage bei Augsburg.

Der Verein bedauerte das Ausbleiben dieses Moments ausdrücklich. Sportchef Rouven Schröder betonte, Reitz hätte sich die Verabschiedung aufgrund seiner Verdienste absolut verdient gehabt. Reitz selbst räumte später ein, dass ihn die Kritik nicht unberührt ließ, und stützte sich in dieser Phase vor allem auf sein familiäres Umfeld.

Privatleben und Marktwert

Abseits des Rasens führt Reitz ein bewusst zurückhaltendes Leben, das dennoch eine besondere Verbindung zur Gladbacher Vergangenheit aufweist. Seit 2024 ist er mit Laura Pflipsen verheiratet und damit Schwiegersohn des früheren Gladbach-Profis Karlheinz Pflipsen, der zwischen 1989 und 1999 insgesamt 197 Spiele für die Fohlen bestritt. Die Beziehung zu seinem Schwiegervater ist eng und wird häufig auf dem Golfplatz gepflegt, wo Reitz nach eigenen Worten ehrliches Feedback und wertvolle Ratschläge erhält.

Auch wirtschaftlich zählt Reitz zu den wertvolleren deutschen Mittelfeldspielern seiner Generation. Sein Marktwert wird mit rund 16,64 Millionen Euro angegeben, wobei andere Datendienste ihn zwischenzeitlich sogar noch etwas höher einschätzten. Selbst in der Welt der Videospiele hat er sich einen Namen gemacht. In EA SPORTS FC 26 wird er mit einer Gesamtwertung von 77 geführt, was gegenüber der vorherigen Ausgabe eine deutliche Steigerung bedeutet.

Fazit und Ausblick

Die Geschichte von Rocco Reitz ist die eines Spielers, der vom Rang der Nordkurve bis zur Kapitänsbinde seines Herzensvereins aufstieg und dann eine der schwierigsten Entscheidungen seiner Laufbahn traf. Der Wechsel zu RB Leipzig brachte ihm sportlich neue Perspektiven, kostete ihn jedoch die Zuneigung eines Teils der Gladbacher Anhängerschaft. Wie brisant sein neuer Weg beginnt, zeigt bereits der Spielplan. Ausgerechnet in seinem ersten Bundesliga-Spiel für RB Leipzig trifft er auf seinen Ex-Klub Borussia Mönchengladbach. Diesem Wiedersehen blickt Reitz nach eigenen Worten mit Vorfreude auf frühere Weggefährten entgegen, auch wenn ihn auf den Rängen wohl ein hitziger Empfang erwartet. Die kommenden Monate werden zeigen, ob er in Leipzig den nächsten Entwicklungsschritt macht und sich womöglich sogar für höhere Aufgaben in der Nationalmannschaft empfiehlt. Fest steht schon jetzt: Rocco Reitz bleibt eine der spannendsten Figuren im deutschen Fußball.

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